{"id":299,"date":"2020-02-20T23:13:07","date_gmt":"2020-02-20T23:13:07","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--stliches-preuzen-lwb.eu\/?p=299"},"modified":"2020-07-17T22:39:50","modified_gmt":"2020-07-17T22:39:50","slug":"balga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/west-ost-preussen.de\/ru\/ostpreussen\/balga\/","title":{"rendered":"Balga &#8211; abgerissen und vergessen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Zwischen der russischen Kleinstadt Mamonowo (dt. Heiligenbeil) und der verschlafenen Siedlung Pjatidoroschnoje (dt. Bladiau) f\u00fchrt an die Steilk\u00fcste des Frischen Haffs ein verborgener Weg. Unter ausladenden \u00c4sten geht es \u00fcber tiefe Schlagl\u00f6cher und Pf\u00fctzen immer weiter hinein ins dichte Waldgestr\u00fcpp. Dort, auf einer Anh\u00f6he, umgeben vom schattigen Gr\u00fcn, stehen Ruinen einer l\u00e4ngst dem Verfall \u00fcberlassenen Burg, die auf eine lange Geschichte zur\u00fcckblicken kann. Unter der Herrschaft des Deutschen Ordens z\u00e4hlte Balga einst zu den st\u00e4rksten Burganlagen des Landes. <\/em><\/p>\n\n\n\n<h3>Der erste Eindruck<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Wind rauscht in den dichten Kronen der hohen B\u00e4ume, irgendwo im Hintergrund ist das Tosen der Wellen zu vernehmen, die fortw\u00e4hrend gegen die sandfarbene Steilk\u00fcste branden. Durch das Gr\u00fcn der Bl\u00e4tter schimmert das ged\u00e4mpfte Rot eines verlassenen Backsteinbaus. Es sind die Ruinen des ehemaligen Beamtenhauses, das sich damals in der Vorburg von Balga befunden haben muss. Es wurde vermutlich um 1300 errichtet und geh\u00f6rt somit zu den \u00e4ltesten erhaltenen Teilen der Burganlage. <\/p>\n\n\n\n<p>Vom Backsteinbau mit seinem langgezogenen, rechteckigen Grundriss sind nur drei tragende Mauern \u00fcber geblieben \u2013 eine Wand und das Dach fehlen komplett. Wagt man sich nun zwischen die hohen, mit Moos und Gr\u00e4sern bewachsenen Mauern, er\u00f6ffnet sich ein Blick in die Vergangenheit des Bauwerks. An den Innenw\u00e4nden, in die dreieckige Wandarkaden eingelassen sind, l\u00e4sst sich ablesen, dass sich im Geb\u00e4ude mindestens drei Geschosse (und ein Dachboden) befunden haben muss. Seine \u00dcberreste lassen die ausladenden Ma\u00dfst\u00e4be der ehemaligen Burg bestenfalls erahnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"725\" src=\"https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/59A42E09-A7E3-4BD6-B850-9FDE2F571FCA-scaled-e1595023944764-1024x725.jpeg\" alt=\"Balga Langhaus\" class=\"wp-image-886\" srcset=\"https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/59A42E09-A7E3-4BD6-B850-9FDE2F571FCA-scaled-e1595023944764-1024x725.jpeg 1024w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/59A42E09-A7E3-4BD6-B850-9FDE2F571FCA-scaled-e1595023944764-300x212.jpeg 300w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/59A42E09-A7E3-4BD6-B850-9FDE2F571FCA-scaled-e1595023944764-768x544.jpeg 768w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/59A42E09-A7E3-4BD6-B850-9FDE2F571FCA-scaled-e1595023944764-1536x1088.jpeg 1536w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/59A42E09-A7E3-4BD6-B850-9FDE2F571FCA-scaled-e1595023944764.jpeg 1668w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 1: Balga heute, Ruinen eines Langhauses<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3>Die Geschichte der Burg Balga<\/h3>\n\n\n\n<p>Das \u00e4lteste Bauwerk, das an dieser Stelle nachgewiesen wurde, ist eine befestigte Holz-Erdanlage der Pruzzen. Nach der Eroberung durch den Deutschen Orden, der seit 1231 immer weiter in die \u00f6stlichen Gebiete vordrang, wird Balga im Jahr 1239 auf den \u00dcberresten der pruzzischen Befestigungsanlage gegr\u00fcndet. Der Markgraf Heinrich von Mei\u00dfen, der bei fr\u00fcheren Versuchen die pruzzischen Festung gescheitert war, stellt f\u00fcr den Bau der neuen Anlage zwei Schiffe zur Verf\u00fcgung. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen 1250 und 1290 wird die vorl\u00e4ufig aus Holz konstruierte Befestigungsanlage in Stein ausgebaut und verst\u00e4rkt. Darauf folgte etwa zeitgleich der Ausbau der Burgen Brandenburg und Lochst\u00e4dt. Aufgrund des \u00e4hnlichen Grundrisses kann angenommen werden, dass bei dem Ausbau der drei Burgen derselbe Baumeister und dieselbe Bauh\u00fctte am Werk waren. Beim Ausbau Balgas versuchte man anscheinend sich zun\u00e4chst regionalen Naturstein zu verwenden. Allerdings ist man schon fr\u00fch auf Backstein als Baumaterial umgestiegen, was an den in der Region rar ges\u00e4ten Natursteinvorkommen gelegen mag. So bestanden den Quellen zufolge die Gew\u00f6lbeanf\u00e4nger aus Kalkstein, an die sich Pfeiler aus gebranntem Ton angeschlossen haben sollten. <br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"778\" src=\"https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/0103BF66-389B-4025-AD74-9CFB1E10C75F-1024x778.jpeg\" alt=\"Balga Ansicht um 1700\" class=\"wp-image-880\" srcset=\"https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/0103BF66-389B-4025-AD74-9CFB1E10C75F-1024x778.jpeg 1024w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/0103BF66-389B-4025-AD74-9CFB1E10C75F-300x228.jpeg 300w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/0103BF66-389B-4025-AD74-9CFB1E10C75F-768x583.jpeg 768w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/0103BF66-389B-4025-AD74-9CFB1E10C75F-1536x1167.jpeg 1536w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/0103BF66-389B-4025-AD74-9CFB1E10C75F.jpeg 1577w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 2: Autor unbekannt, Ansicht der Burg Balga um 1600 (vermutlich Stahlstich oder Zeichnung)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3>Der Aufbau der Burganlage<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Herzst\u00fcck Balgas war die Kernburg. Die Vorburg, die wohl nach Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet worden war, war kreisf\u00f6rmig um die Kernburg herum angeordnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grundriss der Kernburg war unregelm\u00e4\u00dfig sechseckig, was an den unter der Burg liegenden Fundamenten der zerst\u00f6rten pruzzischen Befestigung gelegen haben soll. Diese pruzzische Feste gab der neuen Anlage ihre ungew\u00f6hnliche Form vor. Die Kernburg setzte sich aus drei Fl\u00fcgeln zusammen, die ineinander in einem stumpfen Winkel \u00fcbergingen und so den Innenhof umschlossen. Unter den Fl\u00fcgeln f\u00fchrte ein zum Hof hin offener Laubengang hindurch, der von massiven Pfeilern getragen wurde. Im Nordwesten, zum Haff hin, schloss sich an die Fl\u00fcgel eine Wehrmauer an, die sp\u00e4ter umgebaut und zu einem weiteren, zweist\u00f6ckigen Fl\u00fcgel erweitert wurde. An dieser Seite befand sich auch das Haupttor. Zum Wasser hin befand sich eine au\u00dfen an der Wehrmauer angebrachte Toilettenanlage, der sogenannte Dansker.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"707\" src=\"https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/3F4DC1BF-8C02-408E-83F2-1A5D790E733A-1024x707.jpeg\" alt=\"Balga Stahlstich Ansicht um 1800\" class=\"wp-image-883\" srcset=\"https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/3F4DC1BF-8C02-408E-83F2-1A5D790E733A-1024x707.jpeg 1024w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/3F4DC1BF-8C02-408E-83F2-1A5D790E733A-300x207.jpeg 300w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/3F4DC1BF-8C02-408E-83F2-1A5D790E733A-768x530.jpeg 768w, https:\/\/west-ost-preussen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/3F4DC1BF-8C02-408E-83F2-1A5D790E733A.jpeg 1193w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 3: Stahlstich nach einer Zeichnung von B. Peters, Ruinen der Burg Balga an der Ostk\u00fcste des Frischen Haffs, ca. 1840<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am \u00e4ltesten ist der S\u00fcdfl\u00fcgel. Darin soll sich im Hauptgeschoss eine Kapelle befunden haben, die, wie Funde bezeugen, sehr aufwendig gestaltet gewesen sein soll. Im nord\u00f6stlichen Fl\u00fcgel war der Kapitelsaal gelegen, in dem die Ordensmitglieder zu verschiedensten Zwecken zusammenkommen konnten. Im S\u00fcdosten des Haupthauses befand sich der Remter \u2013 der Speise- und Versammlungssaal der Burg. Die Keller des Haupthauses waren zweischiffig, mit Gew\u00f6lben, die auf Granitpfeilern ruhten. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Verwendete Literatur<br>Herrmann, C., Burgen im Ordensland. Deutschordens- und Bischofsburgen in Ost- und Westpreu\u00dfen. Ein Reisehandbuch, W\u00fcrzburg 2006.<br>Herrmann, C., Burgen im Ordensland Preu\u00dfen. Handbuch zu den Deutschordens- und Bischofsburgen in Ost- und Westpreu\u00dfen, Petersberg 2015.<br>Herrmann, C., Die mittelalterliche Architektur im Gebiet der ehemaligen preussischen Bist\u00fcmer (Kulm, Pomesanien, Ermland, Samland). Analyseteil, Allenstein\/Olsztyn 2003.<br>W\u00fcnsch, Carl, Ostpreussen, M\u00fcnchen 1960. <br>Borchert, F., Burgen St\u00e4dte Deutsches Land, Essen 1991.<br>Antoni, Michael (Hrsg.) Dehio-Handbuch Der Kunstdenkm\u00e4ler West- Und Ostpreu\u00dfen: Die Ehemaligen Provinzen West- Und Ostpreu\u00dfen (Deutschordensland Preu\u00dfen) Mit B\u00fctower Und Lauenburger Land, M\u00fcnchen [u.a.]: Dt. Kunstverl, 1993.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinweise zu den Abbildungen<\/strong>:<br>Abb. 1: <em>\u00a9<\/em> Lars Fernkorn, 2019<br>Abb. 2: gemeinfrei (https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Balga.jpg)<br>Abb. 3: gemeinfrei (https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Balga_Kobbe-Cornelius_Wanderungen_1842.jpg)<br><br>Fotos: <em>\u00a9<\/em> Lars Fernkorn, 2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen der russischen Kleinstadt Mamonowo (dt. Heiligenbeil) und der verschlafenen Siedlung Pjatidoroschnoje (dt. Bladiau) f\u00fchrt an die Steilk\u00fcste des Frischen Haffs ein verborgener Weg. 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