{"id":270,"date":"2020-02-16T20:03:13","date_gmt":"2020-02-16T20:03:13","guid":{"rendered":"http:\/\/xn--stliches-preuzen-lwb.eu\/?p=270"},"modified":"2020-06-04T17:33:44","modified_gmt":"2020-06-04T17:33:44","slug":"der-wurtsumzug-zu-koenigsberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/west-ost-preussen.de\/ru\/ostpreussen\/staedte\/koenigsberg\/brauchtum\/der-wurtsumzug-zu-koenigsberg\/","title":{"rendered":"Der Wurstumzug zu K\u00f6nigsberg"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>An dem Ort, an dem sich die drei St\u00e4dte L\u00f6benicht, Kneiphof und Altstadt sp\u00e4ter zu K\u00f6nigsberg vereinen sollten, gab es im Sp\u00e4tmittelalter eine vergn\u00fcgliche Tradition. Der sogenannte &#8216;Wurstumzug&#8217; fand f\u00fcr gew\u00f6hnlich an Neujahr statt und sorgte bei den Menschen f\u00fcr eine ausgelassene Festtagsstimmung.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Neujahr. Die K\u00f6nigsberger B\u00fcrger gucken gespannt aus ihren H\u00e4usern oder s\u00e4umen die Stra\u00dfe. Die B\u00e4ume sind entlaubt und zeichnen sich schwarz gegen den hellen Neujahrshimmel ab. Der Winter in Ostpreu\u00dfen kann extrem kalt werden; stark eingeschneite Stra\u00dfen sind keine Seltenheit. Der Wind weht leicht durch die mittelalterlichen Gassen und tr\u00e4gt Festtagsmusik zu den Ohren der K\u00f6nigsberger B\u00fcrger, gleich wird er kommen: der gro\u00dfe und langersehnte Umzug. Es ist ein Spektakel, das es nicht zu jedem Neujahrstag gab, so ist einer f\u00fcr 1520 und dann erst f\u00fcr 1525, sowie 1535 vermerkt. Weitere f\u00fcnf Male ist dieser Umzug in den Folgejahren gesichert \u00fcberliefert, man geht allerdings davon aus, dass dieser Umzug mehrfach stattfand.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Zug voran schritt ein mit Federn und bunten B\u00e4ndern dekorierter Fahnentr\u00e4ger, der eine wei\u00df-gr\u00fcne Flagge trug. Dahinter schritten nicht weniger als 103 Fleischergesellen und trugen im Jahr 1601 eine beinahe 392 Meter lange Wurst durch die engen mittelalterlichen Gassen K\u00f6nigsbergs, vorbei an den schmucken Fachwerkh\u00e4usern und den reichen B\u00fcrgerh\u00e4usern der Altst\u00e4dtischen Langgasse mit ihren Beischl\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nigsberger sind w\u00f6rtlich aus\ndem H\u00e4uschen und hoffen am Ende der Prozession auch ein St\u00fcck\ndieser Riesenwurst abzubekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fleischergeselle zuvorderst (er folgte dem fr\u00f6hlichen Fahnentr\u00e4ger) hatte sich das vordere Wurststende um den Hals und den Leib geschlungen, w\u00e4hrend die folgenden Gesellen die Wurst \u00fcber die Schulter trugen. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zueinander prozessierten sie durch K\u00f6nigsberg, erboten den Herren im Schloss ihren Tribut und zogen weiter durch die drei St\u00e4dte, die sich zu K\u00f6nigsberg vereinen sollten; sie zogen \u00fcber Kneiphof nach Altstadt und von dort in den L\u00f6benicht.  <\/p>\n\n\n\n<p>Im L\u00f6benicht verzehrte die dortige Bev\u00f6lkerung mit Freibier aus den L\u00f6benichter Brauereien dann den noch verbliebenen Teil der Wurst, es mu\u00dfte einen wahren Volksfestcharakter gehabt haben. Musik, Tanz und ausgelassene Gelage waren keine Seltenheit. Man lachte, schwatzte und schmatzte und lie\u00df sich die Wurst und das gute Bier schmecken.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Jahr 1525 ist eine 114,3 Meter\nlange Wurst bezeugt, mit den Jahren steigerte sich die L\u00e4nge der\nWurst immer mehr; 1535 war sie bereits 232 Meter und 1596 knappe 681\nMeter lang.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Dank buken die B\u00e4cker f\u00fcr den folgenden Dreik\u00f6nigstag eine riesige Stritzel (einen Christstollen); f\u00fcr 1601 sollen acht Stritzeln zu jeweils sechs Metern L\u00e4nge nachgewiesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese wurden ebenso wie die Wurst durch die Stadt getragen und genau wie die Wurst, wurde ein Teil als Erweisung des Respekts den Herren im Schloss, sowie den drei B\u00fcrgermeistern, den drei Stadtpfarrern und den Sch\u00f6ppen abgegeben.  <\/p>\n\n\n\n<p>Einen \u00e4hnlichen Brauch kann man heute noch in Dresden zum Stritzelmarkt beobachten; auch hier wird ein riesiger Christstollen auf einem Prozessionswagen \u00fcber den Markt gezogen und f\u00fcr ein kleines Entgelt ist es m\u00f6glich ein St\u00fcck Stollen zu erstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich lebt der Brauch der langen K\u00f6nigsberger Wurst wieder auf; 2013 initiierte das Meeresmuseum eine Wiederbelebung des Brauches und band auch ortsans\u00e4ssige Metzgereien und Fleischereien mit ein. So wurde im Jahr 2020 eine drei Meter und 100kg schwere Wurst von Kaliningrader Fleischermeistern durch die Stadt getragen. Die Prozession startete am Friedrichsburger Tor unter Kanonensalven; 6 Fleischergesellen trugen die Wurst durch die Stadt und wie damals gab es Shows, Spiele und Vorf\u00fchrungen zu sehen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Der Brauch lebt weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Quellen: <\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fchlpfordt, H.M. (1983). <em>Der K\u00f6nigsberger Wurstumzug .<\/em>in: Landsmannschaft Ostpreu\u00dfen (Hrsg.) <i>K\u00f6nigsberger Leben in Br\u00e4uchen und Volkstum<\/i>, Hamburg<br><\/p>\n\n\n\n<p>1966_12_31_53_Ostpreu\u00dfenblatt<\/p>\n\n\n\n<p>o.A. (M\u00e4rz 2020) <em>Es ging wieder um die Wurst<\/em>. in:  K\u00f6nigsberger Express Nr.3 \/2020. Kaliningrad: Rautenberg Media&amp;Printverlag Troisdorf,  S. 1,2 &amp; 7 [ebf.abrufbar unter: https:\/\/koenigsberger-express.com\/2020\/03\/es-ging-wieder-um-die-wurst\/]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An dem Ort, an dem sich die drei St\u00e4dte L\u00f6benicht, Kneiphof und Altstadt sp\u00e4ter zu K\u00f6nigsberg vereinen sollten, gab es im Sp\u00e4tmittelalter eine vergn\u00fcgliche Tradition. 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